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Vorsicht Arzt - eine Studie zum Kostendruck in den Kliniken

Jeder ist jederzeit gefährdet, als Patient einer Fehlbehandlung unterzogen zu werden. Kurz vor Jahresende hat der anerkannte Mediziner Karl-Heinz Wehkamp, der Soziologie, Philosophie, Psychoanalyse und Humanmedizin studiert hat, die Ergebnisse seiner Studie vorgestellt, in der er praktizierende Ärzte zu ihrer Arbeit in unseren Krankenhäusern und zu ihrer Motivation in der Beratung und Behandlung ihrer Patienten befragt hat.

 

Was dabei heraus gekommen ist, ist zutiefst erschütternd, äußerst beunruhigend für uns alle und verdeutlicht, wie schlimm die Lage ist, und dass hier dringend etwas verändert werden muss. Die Leidtragenden allerdings werden hier von Karl-Heinz Wehkamp nicht erwähnt: das sind die schwer von Behandlungsfehlern getroffenen Patienten.  

 

 Hier gilt die Aufmerksamkeit ausschließlich den Medizinern. Dies ist für eine solche Studie natürlich vollkommen zulässig, denn ihre Zielsetzung ist zunächst einmal, die schlimmen Arbeitsbedingungen der Mediziner herauszuarbeiten.

 

Die Patienten, die von einem Behandlungsfehler getroffen werden, werden allerdings so auch weiterhin allein gelassen und in einer Tabuzone abgehandelt, in der sie ihre Lebensbedingungen verlieren und um alles und jedes in ihrer Zukunft kämpfen müssen. Von der Konsequenz für ihren Körper und ihre Seele, dem entsetzlichen Lebensverlust, einmal abgesehen.

 

Erst bei Regelung einer generellen Beweislast-Umkehr in Behandlungsfehler-Fällen wird eine offzizielle Aufklärung der Fälle überhaupt erst möglich, eine Vertuschung, auch die Fälschung und ein "Verlust" von Dokumenten erschwert. Und erst dann wird es für eine Klinik endlich nicht mehr lukrativ sein, über die Patienten und ihr gesundheitliches Wohl hinweg zu gehen, als wäre der Patient ein Gegenstand, den man nach einem gewinnbringenden Gebrauch "entsorgen" kann.

 

Ich möchte Euch die Resultate der Untersuchung von Prof. Wehkamp einmal mit diesem Link zum Spiegel-Artikel vorstellen. Die Studie: Karl-Heinz Wehkamp hat gemeinsam mit dem Gesundheitsökonomen Heinz Naegler mehr als 30 Krankenhausärzte und 30 Geschäftsführer in zwölf Bundesländern in ausführlichen Interviews befragt. Die Interviewten arbeiteten in großen und kleinen Häusern verschiedener Träger. Die Erhebung fand in zwei Wellen in der Zeit von 2013 bis 2016 statt.

 

Hier einige der Haupt-Aussagen von Karl-Heinz Wehkamp:

 Spiegel: Sie haben Interviews mit vielen Ärzten geführt und stellen fest, dass wirtschaftliche Interessen eine erschreckend große Rolle spielen. Woran machen Sie das fest?

 

Wehkamp:

Vor allem an den Aussagen der behandelnden Ärzte selbst, die wir für unsere Studie interviewt haben. Demnach werden Untersuchungen gemacht, die aus medizinischer Sicht nicht unbedingt notwendig sind. 

 

Anamnesen, klinische Untersuchungen und Arzt-Patienten-Gespräche werden so kurz wie möglich gehalten. Wir haben von Ärzten sogar gehört, dass einige komplexe Eingriffe oft vermieden werden, weil die Aufklärungsgespräche dafür zu lange dauern ...

 Das geht so weit, dass vereinzelt Ärzte Patienten Informationen vorenthalten. Etwa darüber, dass die hochtechnologische Ausstattung für bestimmte Krebstherapien in einer anderen Klinik vorhanden ist, in der eigenen Klinik aber fehlt. ...

 Nicht selten würden Untersuchungen angesetzt, die für das Behandlungsziel keine Bedeutung haben, aber den wirtschaftlichen Ertrag steigern.

 

Da wird eine Gefährdung der Patienten durchaus in Kauf genommen. Ein Beispiel ist, dass Patienten mitunter aus Abrechnungsgründen einen Tag länger als nötig beatmet werden. Ein anderer Arzt hat erzählt, dass er auf Geheiß seines Chefs über andere Stationen geht und aktiv nach Patienten sucht, bei denen eine Herzkatheter-untersuchung vertretbar wäre. Bei so einem Eingriff kann es zu folgenschweren Herzrhythmusstörungen kommen.

 

Gerade die Assistenzärzte sehen sich dann stark genötigt, die wirtschaftliche Situation der Klinik bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Das bringt für viele Konflikte mit sich, denn laut Berufsordnung der Ärzteschaft soll "die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit der Patientinnen und Patienten oberstes Gebot" sein.

 

Ein fast unglaublicher Fall, den wir allerdings nicht überprüfen können: In einem Haus würden ältere Patienten ab und zu "trockengelegt". Damit meint man, dass sie etwas weniger Flüssigkeit bekommen, wodurch sich die Laborwerte verschlechtern, was wiederum eine höhere Vergütung für die Betreuung zur Folge hat. Eine Ärztin berichtet, die geringe Vergütung für Patienten in der Notaufnahme führe dazu, dass man jetzt von "Vier-Euro-achtzig-Patienten" rede, die dem Haus nur Verluste brächten.

 

Soweit die Aussagen von Karl-Heinz Wehkamp zu den Ergebnissen seiner Studie.

Bitte helft mit, dass diese schlimmen Verhältnisse in den Kliniken endlich ihr Ende finden. Wir sind alle gefährdet. Niemand trägt die Verantwortung für die schweren Schädigungen, die Patienten davontragen. 

Unterzeichnet meine Petition, auch die Ärzte könnten dafür dankbar sein. Denn sonst wird sich an diesen menschenunwürdigen Verhältnissen nichts ändern.

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