Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

von Katrin Hummel

Dr. Paul Kersten - Literaturkritiker

Die Wunde in mir. Misshandlung auf Krankenschein. Ein Bericht

          von Johanna Darka

 

Dieses Buch ist keine Betroffenheits-Prosa.

Einerseits schildert Johanna Darka den eigenen authentischen Fall einer „Misshandlung auf Krankenschein“. Schonungslos werden die Machenschaften der Ärzte - und auch die der mit dem Fall befassten Juristen - entlarvt. Andererseits wird beklemmend und anregend zugleich, das eigene Leiden an Körper und Seele beschrieben, realistisch und immer mit einer Prise von verzweifeltem Sarkasmus, niemals sentimental oder pathetisch, immer mit einem radikalen Blick auf die erlittenen Torturen. Johanna Darka geht es darum, sich schreibend zu befreien.

 

Das Buch ist eine grandiose Reportage über den wütenden Selbstbehauptungskampf einer Frau. Sie schafft es, den Berichtton immer in eine literarische Dimension zu transportieren. Es ist das sehr persönliche Dokument eines "ärztlichen Kunstfehlers", der zu einer Lebenserschütterung führt, erzählt mit beeindruckender literarischer Intensität.  

 

                                                           Dr. Paul Kersten

langjähriger Redakteur der Sendung "Bücherjournal" im NDR-Fernsehen

 

Video-Buchbesprechung

von Internet-Doktor Johannes Wimmer

aus den Rezensionen bei amazon.de:

Die Wunde in mir ... ist ein Buch, das einen Bericht über eine Misshandlung einer Frau aufzeichnet. Sie wurde körperlich und seelisch misshandelt. Ein Eingriff in einer Arztpraxis, der ohne ihre Zustimmung erfolgte, wird zum Ausgangspunkt einer Odyssee, die Johanna Darka danach gehen wird. Unbeirrt. Ohne Rachegefühle (die auch mehrmals kurz genannt werden). Als Leser habe ich das Gefühl gehabt, dass sie diese gleichsam wie von außen an sich betrachtet. Doch würde sie niemals diese Option wählen! Vielmehr geht es ihr darum, anderen Menschen ihr Schicksal mitzuteilen. Sie wachzurütteln. Johanna Darka ist dies in beeindruckender Weise gelungen. Was mir besonders auffiel, war die Sachlichkeit, mit der sie all die Schmähungen, die Unwahrheiten, die Ärzte vor Gericht sagten, schilderte. Sie, die all dies selbst erlitt!

 

Wenn ein Journalist/eine Journalistin über ein Thema schreibt, das außerhalb seiner selbst liegt und es ihm dabei gelingt, präzise Zusammenhänge für den Leser neu aufzuzeigen, so ist - wenn es sich um einen sehr guten Text handelt - durchaus möglich, dass er/sie dafür eine Auszeichnung erhält. Die Autorin von "Die Wunde in mir" schreibt über sich - körperlich von Schmerzen gepeinigt und seelisch unglaublich verletzt - über ihr ureigenstes Thema. Ihr, die seelisch und körperlich so sehr verwundet ist, gelingt es, die Kraft und das Durchhaltevermögen aufzubringen, um ihr Erlebtes niederzuschreiben. Auch wenn das Buch auf dem Covertext davon spricht, dass das Buch in seinen besten Pasagen eine "glänzende Realsatire" (des Gesundheitswesens in Deutschland) ist, so empfinde ich dies anders. Das Buch ist - in erster Linie - ein zutiefst menschliches, ehrliches, sehr offenherzig geschriebenes Buch einer tapferen Frau. Es ist ein Buch, das vielen anderen Menschen Mut macht. Es ist aber auch ein erschütterndes Buch über eine ganz offensichtlich (noch) fehlende - gesetzlich fixierte und in der Praxis umgesetzte - Patientensicherheit in Deutschland, die eine solche Misshandlung - wie sie im Buch nachgezeichnet wird - erst ermöglicht hat.

 

Sie hat mit ihrem Buch den Finger auf die Wunde gelegt: Und diese "Wunde" betrifft uns alle. Jedem von uns kann das passieren, was Johanna Darka widerfuhr.

 

scorpino

 

In vielen, nicht in allen Fällen, werden die Taten aufgrund des Fachwissens, von verbrecherischen Ärzten bewusst begangen. Als Betroffener, dessen Mutter man gegen seinen Willen in einem katholischen Hospiz verhungern und verdursten ließ, (weil ich den Lügen der Ärzte und Schwestern glaubte) - dessen Frau man fünf Jahre mit unfixiertem Genick herumlaufen ließ, obwohl man das selbst festgestellt hatte und diverse Möglichkeiten hatte zu helfen, und wo man Akten verschwinden ließ - wo von zwei Anwälten, der erste zunächst die Fristen versäumte (5 Jahre für fahrlässige Tötung) und der zweite den Obduktionsbericht unterschlug - wo eine vermutlich bestochene Oberstaatsanwältin gar nicht erst ermittelte, außer wegen fahrlässiger Tötung (5 Jahre), obwohl wegen aller in Frage kommender Straftaten angezeigt worden war, weiß auch ich, wovon ich schreibe.

Das oder Ähnliches erleiden viele Menschen in diesem Land. Deshalb ist ein Buch mit dem Titel "Die Wunde in mir" (wie könnte er treffender sein?) Gold wert. Es sollten viele ihre Erlebnisse aufschreiben und veröffentlichen. Jeder Krimi wird

dagegen erblassen.

Ich ziehe meinen Hut vor dieser mutigen Frau.

 

B. Scharf

Die Wunde in mir ... ist ein mutiges Buch einer starken Frau. Noch immer bin ich regelrecht fassungslos, was diese Frau erleben musste - und noch erlebt - und doch nicht verzweifelt ist. Es gehört unendlich viel Kraft dazu, in solch einer Situation aufzuschreiben, was wann wo und wie passiert ist. In mancher Familie wird es Kenntnis über Behandlungsfehler geben, doch die wenigsten kämpfen so um ihr Recht als Patient und MENSCH wie Johanna Darka.

Der sehr gefällige, flüssige Stil macht es einerseits leicht, das Buch zu lesen. Was jedoch darin offenbart wird, hat mich zu mancher Lesepause gezwungen, um das alles erst einmal sacken zu lassen. Dieses hilflose Ausgeliefertsein ist ein einziger Albtraum. Ich wünschte wirklich, dass viele Ärzte, aber auch Rechtsanwälte und Richter, dieses Buch lesen würden, um sich in ihre Patienten bzw. Klienten besser hineinversetzen zu können.

Ich hoffe sehr, dass Johanna Darka mit ihrer Petition Erfolg hat und sich etwas ändert in der Rechtsprechung bezüglich der Beweislast bei Behandlungsfehlern!

5 Sterne sind für dieses Buch mehr als verdient!

 

Isolde aus G.

... (nicht zu verwechseln mit Wohlfühlbuch!) – durch die intensive Beschreibung der physischen und psychischen Verwundungen musste ich wirklich mitleiden.

Wer sollte dieses Buch lesen?

Patienten oder Angehörige von Patienten, die gemerkt haben, dass sie oder ihr Angehöriger falsch behandelt wurden und versucht haben, das in irgendeiner Form aufzuklären und ihr Recht zu bekommen - sie werden etwas länger dazu brauchen das Buch zu lesen, weil sie ungefähr nach jeder zehnten Seite innehalten und sagen: „Ja, genau so war das auch bei mir“.

 

Zu dieser Gruppe gehöre ich.

Patienten oder Angehörige von Patienten, die schon einmal nach einer Behandlung gedacht haben: „Ob das wirklich alles richtig gelaufen ist?“ - sie werden erneut darüber nachdenken, ob das, was ihnen als normal und schicksalhaft verkauft wurde, wirklich so war.

Patienten oder Angehörige von Patienten, die nach einer Behandlung gar nicht gemerkt haben, dass etwas falsch gelaufen ist. - sie werden anfangen darüber nachzudenken, ob alles richtig war, was sie erlebt haben.

 

Und dann gibt es noch die Gruppe der Menschen, die in der glücklichen Lage sind, gar keine oder noch keine schlechten Erfahrungen mit unserem Gesundheitssystem gemacht zu haben - Sie werden sagen: Nee, das Glaube ich nicht – das kann doch gar nicht sein – das ist doch alles maßlos übertrieben.

 

Glauben Sie mir – es ist nichts übertrieben – es ist genau das, was auch ich bei der Behandlung meiner Eltern und dem Versuch die Fehler aufzuklären erlebt habe.

Und das Schlimme ist: wenn Sie irgendwann merken, dass das, was in diesem Buch steht stimmt – dann ist es für sie zu spät!

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es notwendig ist, dass die Mediziner und Juristen dieses Buch lesen müssen. Diejenigen, die ihre Arbeit ordentlich und nach besten Wissen und Gewissen machen, betrifft dieses Buch nicht und diejenigen, die dieses mafiöse, perfide Spiel mitspielen, wissen genau, was sie tun und ihnen gehen die betroffenen Patienten ohnehin völlig am A…. vorbei.

 

Es gab aber auch eine Stelle, die mich ganz besonders fröhlich gemacht hat und an die ich nun immer schmunzelnd denken muss, wenn ich das Wort Professor höre oder lese. Leider kann ich nicht besonders gut nähen – aber ich glaube, dass ich irgendwo noch einen Elektrotacker habe.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Das verrate ich nicht – lesen Sie das Buch!

 

Smilemouth