Hintergründe, Berichte und Studien

Studien von OECD und Bertelsmann-Stiftung, September 2014:

 

Rein medizinisch nicht erklärbar: In manchen Regionen wird acht Mal häufiger operiert als andernorts

 

Die beiden Studien von OECD und Bertelsmann Stiftung stellen übereinstimmend fest, dass das Fehlen klarer medizinischer Leitlinien die Gefahr von regionalen Unterschieden vergrößert. "Leitlinien, die den Handlungskorridor der Ärzte definieren, sollte es für alle operativen Eingriffe geben. Ihre Einhaltung muss strenger kontrolliert werden – bei aller notwendigen ärztlichen Entscheidungsfreiheit im Einzelfall", sagte Brigitte Mohn.

Bertelsmann Faktencheck in dieser Frage:

„Große regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung sind ein klares Zeichen für Qualitäts-, Effizienz- und Gerechtigkeitsprobleme.“

 

 Mark Pearson, OECD-Direktor

 

- In manchen Orten wird achtmal häufiger operiert als anderswo

- Große Unterschiede bleiben über Jahre bestehen

- Mehrere Regionen fallen durch hohe Raten bei Eingriffen auf

- Regionale Muster der OP-Raten bleiben konstant

 

 

"Zudem sind Extremwerte in bestimmten Städten und Kreisen ein Indiz dafür, dass ärztliche Aufklärung regional unterschiedlich wahrgenommen wird. Entscheidungen für oder gegen eine Operation dürfen aber nicht eine Frage der Angebotskapazität oder von Gewohnheiten der ortsansässigen Ärzte sein."

                                                      Marc Pearson, OECD-Direktor

 

Berichte aus Presse und Rundfunk:

Focus online am 21. Januar 2014

Die Welt, 7. Dezember 2014: Kliniken sanieren sich mit sinnlosen Operationen

Und wie lange ist dies nun schon bekannt?

Wieviele Jahrzehnte und gestorbene und geschädigte Patienten später dürfen wir denn auf Änderung hoffen?

Das Gleiche, dass ein Arzt aus Profitgründen für einen operativen Eingriff plädiert, gilt doch auch bei ambulanten Operationen!

Stern, Juni 2014: Ärztepfusch macht Tausende krank

Artikel über die Anzahl der Behandlungsfehler laut Ärztekammern

 

"Um einen Überblick über die Fehler zu bekommen, müsse die Bundesregierung per Gesetz ein nationales Fehlerregister auf den Weg bringen."

"Die Statistik der Schlichtungsstellen bildet nur die Spitze des Eisbergs ab."

"Laut Sozialverband VdK wenden sich viele mangels Vertrauen weder an die Ärzteschaft noch an die Kassen - und scheuen Gerichtsverfahren wegen der Kosten. Im Ergebnis führe das dazu, dass die Patienten nicht zu ihrem Recht kommen."

 

MDR-Fernsehen, Sendung Fakt am 25.2.2014

Weser-Kurier am 20.10.2017

... Wie viele Eingriffsverwechslungen in deutschen Kliniken passieren, sei nicht bekannt ...

„Wir haben kein Schadensregister wie in anderen Ländern, das fordern wir ganz klar.“ so Prof. Claus-Dieter Heidecke, Leiter der Allgemeinen Chirurgie am Universitätsklinikum Greifswald.

Eine zentrale Aufzeichnung von Behandlungsfehlern ist eine Minimalforderung, die in Deutschland - auch seitens des Gesundheitsministeriums - bislang erfolgreich abgewehrt und nicht umgesetzt wird. Hierzulande ermöglichen die zuständigen Politiker auch durch eine solcherart vertuschende und mangelnde Registrierung und Fehleraufklärung den Haftplficht-Versicherungsgesellschaften, sich um einen angemessenen Schadensersatz herumzudrücken. Man lässt die Opfer eines Behandlungsfehlers nicht nur allein, man tut auch nicht das Minimalste, um weitere Behandlungsfehler auszuschließen oder zumindest zu erschweren. Dabei wären ein zentrales Register, sowie eine entsprechende, unumgehbare Vorschrift zum Check-Up vor einer Operation wohl die am schnellsten umsetzbaren Möglichkeiten, weiteren Behandlungsfehlern vorzubeugen. Kaum jemand denkt hier nicht an Lobbyismus  ... denn plausible Gründe hierfür fallen einem einfach nicht ein.

Die Zeit, 2.12.2014: Tötungen durch Pflegepersonal - Getötet wird nach Schema F

NDR online

Focus online am 7. Februar 2015

Der Spiegel am 24.1.1994

Die Welt online am 13.11.2007

Süddeutsche Zeitung online am 17. Mai 2010

Kliniken als Profitunternehmen:

ZDF Frontal 21 am 27. Januar 2015

ZDF Frontal 21 am 17. Februar 2015

Der Bericht macht deutlich, wohin uns das an Profitstrukturen ausgerichtete Gesundheitssystem (vielleicht manchmal besser "Krankheitssystem") bringt: aufgrund von Kosteneinsparungen wird auf wichtige Tests verzichtet, das Personal kann die Hygienemaßnahmen nicht umsetzen, weil es überlastet ist. Jährlich sterben 20.000 bis 40.000 Patienten an den Krankenhaus-Keimen.

Das Thema der tödlichen Keime zeigt in aller Härte, wohin uns das jetzige System bringt. Es ist inzwischen lebensbedrohlich geworden, sich behandeln zu lassen. Aber auch an anderen Stellen droht Gefahr. Auch die niedergelassenen Ärzte müssen nach strengen Zeit-Taktungen arbeiten. Dabei kann es schnell zu Fehldiagnosen mit schlimmen Folgen kommen.

Hannoversche Allgemeine am 18. Februar 2015

Gefährlicher Keim in Kiel geht auf einen einzigen Patienten zurück  Keiner zahlt für den Schnelltest auf Keimbesiedlung eingewiesener Patienten - In der Intensivstation war kein Einzelzimmer frei

Die Zeit am 26. Januar 2015

Focus am 30. Januar 2015

Panorama NDR 3 am 27.1.2015

NDR am 23. Januar 2015

NDR am 6. Februar 2015

Spiegel online am 24.10.2014

Deutschlandradio Kultur am 22. Oktober 2012

NDR-Radio am 12. Mai 2014

Warum sind wir bzw. ist unser Gesundheitssystem so arm, dass wir uns die relativ unaufwendige Kontrolle jedes aufzunehmenden Patienten nicht leisten können, so wie in den Niederlanden? Wo bleibt das Geld, das wir doch sehr zahlreich bei den gesetzlichen und privaten Krankenkassen einzahlen?

Es ist wohl auch ein Planungsproblem, weil bei uns die Labore auf Profit getrimmt und zentralisiert wurden. In den Niederlanden hat beinahe jedes Krankenhaus die entsprechende mikrobiologische Abteilung.

Auch wurden dort während des letzten Jahrzehnts nicht im großen Stil und in Masse Antibiotika verordnet, sondern genau an die Patienten und ihre jeweilige Erkrankung angepasst. Bei uns zählt die Schnelligkeit einer Verordnung, die ungefähr passen könnte. Umso schneller kann der nächste Patient "abgefertigt" werden und das ist direkt Profit für die Klinik- oder Praxen-Kasse. All dies wird hier in Deutschland nicht kontrolliert. Es gibt darüber hinaus keine Institution, bei der sich aufmerksame und bewusste Patienten über eine solche Fehl-Verordnung oder auch anderes Fehlverhalten von Ärzten beschweren könnten. Dies aber wäre der erste Schritt für eine Verbesserung in die richtige Richtung. Direkt werden die Ärzte auch nicht kontrolliert. Sie herrschen in einer Art Allmacht.

Ärztezeitung am 17. Februar 2015

MRSA - Im Kampf gegen Keime fehlt Personal

Wenn wir aber auch die Richtung unseres Gesundheitssystems immer mehr von privaten Trägern und Aktiengesellschaften bestimmen lassen ..

Hamburger Abendblatt am 2. September 2014

Vorwürfe gegen Ärzte:

RTL aktuell am 5. Mai 2014

Süddeutsche Zeitung am 6. August 2014

Die Süddeutsche Zeitung am 6. Januar 2015

Hamburger Abendblatt am 27.1.2015

Der Tagesspiegel am 25.9.2014

Süddeutsche Zeitung online am 28. Januar 2015

Ärztezeitung am 30. Januar 2015

ZDF Sendung Wiso vom 22. Februar 2016

Berliner Zeitung am 4. Februar 2015

28 Hausärzte lehnen einen Patienten ab

 

So etwas ist skandalös und menschenverachtend und darf in einem sogenannten Gesundheitswesen keinen Platz haben.

Auch mir wurde im ersten Jahr nach den Fehloperationen, in dem ich bettlägerig war, seitens der Hausärztin nahegelegt, mir doch die tägliche Tetanus-Spritze bitte selbst zu geben. Fünf Minuten Weg waren ihr zu lang. Außerdem wollte sie unabhängig bleiben, denn sie machte sehr häufig Ferien- und verlängerte Wochenendreisen.

Da ich mich hierzu nicht in der Lage sah, übernahm es schließlich die Schwester der Sozialstation, die mich so elendig und abgemagert vorfand, dass sie es kaum über sich brachte, mir die Spritzen zu geben. Der Blick und die Aufmerksamkeit eines Arztes oder einer Ärztin hätten da vielleicht auch nützlich sein können ...

Im Übrigen ist dies auch ein Beispiel dafür, wie die Patienten im Kreis herumgeführt werden, weil sich keine Institution wirklich für die Lösung des Problems zuständig sieht. 

Thema gerichtliche Gutachten:

Süddeutsche Zeitung online am 7. Februar 2014

Thema Schmerzensgeld und Schadensersatz

FOCUS online am 1. Dezember 2015

In Deutschland gibt es für die Bemessung von Schmerzensgeld "keinerlei Vorgaben – nur Hinweise einzelner Gerichte. Letztlich ist aber jeder Richter in seiner Entscheidung unabhängig. Die Folge ist, dass die Entscheidungen der Gerichte selbst bei ähnlich gelagerten Fällen um mehr als das Doppelte voneinander abweichen. Das grenzt an Willkür, weshalb diese Praxis von einigen für verfassungswidrig gehalten wird. ... 

 

Doch nicht nur die willkürliche Berechnung des Schmerzensgeldes ist ein Problem. Auch die Höhen der zugestandenen Entschädigungen sind vergleichsweise niedrig. Von angemessen kann in vielen Fällen keine Rede sein."