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Ein Fall von ärztlicher Fehlbehandlung, der mir den Atem raubt

Chefarzt einer Bamberger Klinik verurteilt, er hat Revision eingelegt

Die Kammer verurteilte ihn zu sieben Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe und sprach ein fünfjähriges Berufsverbot aus.

Mir wurde übel und ich begann zu zittern, als ich von diesem Fall einer ärztlichen Misshandlung - juristisch "Behandlungsfehler" - las. Zu gross sind die Parallelen zu meinem Fall, bei dem die Staatsanwaltschaft die Verfolgung meiner Anzeige wegen Körperverletzung nach kurzer Zeit einstellen liess. Meine Strafanzeige hätte keine Aussicht auf Erfolg, hiess es zur Begründung. Und Punkt.

 

Das war's. Es wurden keine Zeugen vernommen, die es gleichwohl zahlreich gab. Dem Mediziner schien hingegen alles erlaubt. Der Arzt konnte keine Diagnose benennen, legte gefälschte Papiere über seine Praxis vor, etliche Monate nachdem die Ermittlungen begonnen hatten, sogar ein Schrifstück über einen zweifelhaften, pathologischen Befund eines ihm bekannten und für seine Praxis arbeitenden Pathologen, über von mir (unerlaubt) entferntes und angeblich eingeschicktes Gewebe usw. usw.

 

Über seine Diagnose und auch die von ihm ausgeführte "Operation" bestand vollkommene Unklarheit in der Ärzteschaft der Universitätsklinik, so dass man sogar vor meiner lebensrettenden Notoperation von dort aus bei ihm angerufen und nachgefragt hat, was und wie er denn bei mir ambulant eigentlich operiert habe. Ein Stichwort hierzu wurde dann viel später handschriftlich von ihm selbst in meine Krankenkarte seiner Praxis nachgetragen. Der Oberarzt, der mich in der Nacht an der Universitätsklinik notoperierte, war geradezu angewidert, er löste zuerst all diese dicken Nähte, die meinen Intimbereich kreuz und quer zusammenschnürten. Mehr konnte er zu dem Zeitpunkt gar nicht für mich tun, wie er mir nach meinem Aufwachen sagte. Dann legte er einen blutstillende Einlage in meinen Enddarm, von dem der Chirurg in ambulanter Behandlung 75 % des Gewebes entfernt hatte. Akribisch notierte der Operateur der Klinik den Zustand, den er bei mir vorgefand. Er sparte dabei nichts aus, machte deutlich, dass es sich um einen sehr zweifelhaften Eingriff handelte, der am Ehesten dem entsprach, was das medizinische Lehrbuch als eine Operationsmethode von 1882, oder als eine weitere von 1937 beschrieb. Beide werden als "amputierend" bekennzeichnet und finden bereits seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts keine Anwendung mehr in der medizinischen Praxis, da sie verheerende Wirkungen zeigten.

 

Trotz dieses präzisen Dokumentierens meiner gravierenden Verletzungen im einseitigen Op-Bericht der Universitätsklinik, hielten weder die Staatsanwaltschaft, noch - nach meinem Einspruch - die Generalstaatsanwaltschaft, weitere Nachforschungen in dieser Angelegenheit für notwendig. Zu der eigentümlichen, schriftlich für mich ausgeführten, Internetrecherche des Staatsanwalts, nach der er mir eine Ferndiagnose stellte und mir eine ungeahnte Erkrankung andichtete, gipfelte die Unverfrorenheit dieser Ablehnungen in dem Satz der Generalstaatsanwaltschaft: "Zutreffenderweise hat die Staatsanwaltschaft (...) ausgeführt, dass die Heilbehandlung unter dem Gesichtspunkt der mutmaßlichen Einwilligung gerechtfertigt war." 

 

Pausenlos ging damals über Monate und sogar Jahre ein solches Geprassel von Schlägen auf mich nieder, während ich um mein Leben kämpfte, wegen der Schädigungen eine Reihe großer Operationen zu überstehen hatte, und wegen der unaushaltbaren, folternden Schmerzen in meinem Intimbereich unter Morphintropfen stand. Ich hätte all dies wohl kaum überstehen können, wenn ich nicht eine kleine Tochter gehabt hätte. So sah ich mich gehalten, weiterzuleben. Wenn Ihr mehr erfahren möchtet, lest bitte in meinem Buch nach. Ich garantiere Euch, es wird spannend.

 

Bei dem jetzt in Bamberg verurteilten Chirurgen hat eine Medizinstudentin den Fall vor vierzehn Monaten ins Rollen gebracht. "Sie arbeitete in der Klinik, und der angesehene Arzt soll ihr erzählt haben, er nehme an einer Studie zu Beckenvenen teil. Sie erklärt sich zu einer Untersuchung bereit. Er kündigt an, ihr ein Kontrastmittel zu geben. Doch danach kommt es der damals 26-Jährigen seltsam vor, dass sie sich an die Untersuchung nicht erinnert. Ihr Vater, der auch Arzt ist, nimmt ihr Blut ab. Ein Labor findet darin Midazolam – ein Betäubungsmittel. 

Auch den elf Frauen vor ihr soll er zwischen 2008 und 2014 ein Kontrastmittel angekündigt und stattdessen Midazolam gegeben haben – das Gericht hält das für erwiesen. Bis zuletzt sagt der Ex-Chefarzt nicht, welches Mittel das gewesen sein soll, er hat es in keinem Befund vermerkt."   

Der Frauenfeindlichkeit und der Misshandlung in ärztlicher Behandlung sind alle Möglichkeiten zur Vertuschung gegeben. Die Misshandlungs-Aktionen dieses Bamberger Arztes weisen eine Vielzahl von Parallelen zu meinem eigenen Fall auf, nur, dass die Staatsanwaltschaft meine Strafanzeige sofort einstellen ließ. 

 

Dabei wurde ich vor dem Eingriff in meinem Intimbereich weder aufgeklärt, noch gab ich meine Unterschrift zur Einwilligung. Der Chirurg hatte damals den Auftrag (durch Überweisung meines Hausarztes), eine blutende Wunde zu nähen. Was folgte, hier in Abkürzung: ich wurde kurzerhand betäubt, es wurde mir 75% meines Bindegewebes entfernt, meine Scheide und die riesige Wunde teilweise mit dicken Fäden vernäht, unerlaubt Fotos angefertigt und archiviert usw. usw.

  

Die Staatsanwaltschaft in meinem Fall: Meine fehlende Unterschrift könne man hier vernachlässigen, denn auch wenn ich richtig aufgeklärt worden wäre, hätte ich sicher (?!?) in den Eingriff eingewilligt. Deshalb könne man von meiner "hypothetischen Einwilligung" ausgehen. Von der Staatsanwaltschaft wurde zudem ein Gutachter beauftragt, der - wie ich erst Jahre später herausfand - mit dem misshandelnden Chirurgen bestens bekannt war. 

 

Zur Zeit der Begutachtung (ich selbst habe den Gutachter nie gesehen) war meine Krankenakte seltsamerweise verschwunden. Dies störte den Gutachter - einen mit dem ambulanten Chirurgen befreundeten Professor für Chirurgie - nicht, er bezog  sich nur auf die Ausführungen der Rechtsanwälte (!) des Chirurgen und bescheinigte dem Gericht und mir in seinem dreizehn Seiten langen Gutachten, dass ich hervorragend operiert worden sei. 

 

Auch die Vorgeschichte in Bamberg, die Misshandlung von zehn weiteren Frauen ohne Strafverfolgung hatte zuvor bereits sieben Jahre, von 2008 - 2014) angedauert. Dabei ist es nur einem Zufall zu verdanken, dass dieser Fall jetzt überhaupt vor Gericht kam.

 

Der Dreistigkeit in meiner Geschichte nimmt es kein Ende. Deshalb habe ich ein jahrelanges Protokoll geführt, und mein Buch Die Wundein mir - Misshandlung auf Krankenschein verfasst. Diese Dinge aus der sehr dunklen Ecke ärztlicher "Behandlung" müssen an die Öffentlichkeit. Die Beweislast in "sogenannten" und "richtigen" Behandlungsfehlern darf nicht länger bei den schwer erkrankten PatientInnen liegen. In jedem zivilrechtlichen Prozess muss die Beweislast von vornherein bei dem Arzt liegen. Sonst wird sich an der Machtlosigkeit der PatientInnen nichts ändern. 

 

Ich musste in der Folge notoperiert werden, mehrere Male wäre ich an meinen inneren Verletzungen beinahe gestorben. Das hielt die Richter im späteren, zivilgerichtlichen Prozess allerdings nicht davon ab, mich nur wenige Wochen nach der verheerenden Operation für vollkommen gesund zu erklären. Während es aus meinen inneren Wunden weiter eiterte, hatte ein Professor ohne mein Wissen in meine Krankenakte neben den Befund über meine Verwundung den Satz eingetragen "Subjektiv hat die Patientin das Gefühl, es ginge ihr besser". Auch er gehörte in die Runde miteinander bekannter Mediziner. Auch dies war mir damals nicht bekannt.

 

So galt ich also laut Urteil nur wenige Wochen nach dem verheerenden Eingriff als geheilt. Und damit konnte ich bis heute keine weiteren Ansprüche auf Entschädigung stellen, zum Beispiel, als mir in der Folge der Darm platzte und ich weiter durch Damverschluss lebensbedrohlich erkrankte.  

 

Klug sind sie, die Mediziner und Juristen. Gerissen bis aufs Letzte. Und mein eigener Rechtsanwalt ließ zusätzlich meine Ansprüche verjähren.

 

Solange die Beweislast im Patientenrecht beim Patienten liegt, bleibt es zufällig, ob solche Angriffe und Misshandlungen überhaupt aufgeklärt werden. Deshalb zum Schluss meine wichtige Bitte: unterzeichnet meine Petition und helft sie zu verbreiten.

 

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